Sonderausstellung 2017 – Skærbæk-Teppiche

Während der gesamten Saison 2017 können Sie eine einzigartige und sehr interessante Ausstellung der berühmten Skærbæk-Teppiche sehen.

1896 gründete der geschäftige Pastor Jacobsen aus Skærbæk – auf Initiative des deutschen Museumsdirektors Justus Brinckmann sowie dessen Assistent Friedrich Deneken, die beide sehr daran interessiert waren, die deutsche Webkunst wieder aufleben zu lassen – die Skærbæker Webschule.
Der Ausgangspunkt lag in den nordischen Webtradtionenen, aber durch den Kontakt zu dem neuen Jugendstil-Anhänger wurde bald nach Motiven der bekannten Jugendstilkünstler wie Otto Ubbelohde, Heinrich Vogeler und Hans Christiansen gewebt.
Die Teppiche wurden bald durch Ausstellungen in Deutschland, Österreich-Ungarn sowie den Weltausstellungen in New York, Paris und Turin berühmt und wurden in ganz Europa verkauft.
Der Erfolg kam zu einem abrupten Ende, als der Pfarrer Jacobsen 1904 Konkurs ging.
Die Weberin Marie Luebke führte die Webschule ab 1907 bis zur Wiedervereinigung weiter, wonach die Skærbæk Webschule geschlossen wurde.

Leider musste das Skærbæk Museum Ende 2016 schließen und daher gab es keine Möglichkeit mehr, die berühmten und schönen Skærbæk-Teppiche zu sehnen.
Das Museum Sønderjylland hat sie nun an das Museum in Hjemsted ausgeliehen, wo man sie die ganze Saison bewundern kann.
Es handelt sich um insgesamt 14 Teppiche in verschiedenen Größen und von insgesamt 8 Künstlern.
In Zusammenarbeit mit dem Museum Sønderjylland zeigt Hjemsted Oldtidspark in diesem Sommer 14 der berühmten und schönen Teppiche der „Skolen for Kunstvæveri i Skærbæk“ (Kunstwebschule in Skærbæk) 1896-1904.

 

Die Geschichte der Webschule Skærbæk und der Skærbæk-Teppiche

Else Marie Dam-Jensen`s (Oberinspektor Kulturhistorie Tønder, Museum Sønderjylland) Rede bei der Ausstellungseröffnung am 19. Mai 2017 im Hjemsted Oldtidspark

“Die Initiatoren der Schule waren Friedrich Deneken (1857-1927), der die Idee hatte und der lokale Gemeindepfarrer Johannes Jacobsen (1854-1919), der sie gründete.

Friedrich Deneken war beim Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg angestellt. Zusammen mit seinem Direktor, Justus Brinckmann, interessierte er sich für alte nordische und schleswig-holsteinische Volkskunst. Die beiden kamen 1895 in Kontakt mit dem Direktor des Nordenfjeldske Kunstindustrimuseums in Trondheim, Jens Thies. Hier war der auf Basis der Volkstraditionen die Bildweberei wiederbelebt worden.

Das Interesse entstand, da man durch die Industrialisierung zur Maschinenweberei übergegangen war und damit die Weberei als Handwerk dabei war, zu verschwinden. Diese Entwicklung betraf alle Formen der Handarbeit zu dieser Zeit. Das war auch der Grund, warum sich Hansigne Lorenzen in Ballum für die Bewahrung der Tönder-Klöppelarbeiten einsetzte.

Brinckmann und Denekens Interesse für das Nordische teilten sie mit großen Teilen des kaiserlichen Deutschlands. Die beiden Männer entwickelten gemeinsam mit dem Direktor aus Trondheim die Idee für eine deutsche Webschule. Dass diese dann in Skærbæk entstand, liegt vermutlich darin begründet, dass Deneken gemeinsam mit Johannes Jacobsen, der mittlerweile Pfarrer in Skærbæk war, die Haderslev Katedralskole besucht hatte.

Während des Studiums war Johannes Jacobsen mit den deutsch-nationalen Studentenkreisen in Kontakt gekommen und wurde im Laufe der Zeit mehr und mehr antiliberal, Antisozialist und großgermanischer Romantiker. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer war er mit vielen Dingen im dänisch-dominierten Skærbæk beschäftigt. Er war Skærbæks Antwort auf Stein Bagger! Das Ziel hatte jedoch einen nationalen Charakter, er wollte neu Unterstützung für die deutsche Sache: 1890 gründete er Creditbank Scherrebek als Opposition zu der dänisch dominierten Sparekasse. Innerhalb kurzer Zeit kaufte er Grundstücke zur Etablierung einer deutschen Neusiedlung, legte ein Ziegelwerk in Frifelt an, Arbeiterwohnraum in Skærbæk, eine Dampfschiffrederei mit Zielhafen Rømø, eine Brikettfabrik in Hønning Mose, den Badeort Lakolk auf Rømø, eine Karpfen- und Forellenfischfarm – alles mit deutschen Namen: Gånsager Kro wurde zu „Zum goldenen Karpfen“, Melby Kro zu „Zur Deutschen Eiche“ und die Ferienhäuser in Lakolk hießen „Walhalla“ und „Niflheim“.

Den Vorschlag einer Webschule nahm er gern an – nicht unbedingt, weil der Pfarrer übermäßig an Kunst interessiert war – sondern mehr weil ein künstlerisches Unternehmen, das den Norden und Deutschland einigen könnte, richtig gut in sein Projekt passte. Zudem gab es in dem Gebiet Traditionen für Schafzucht und Wollspinnerei.

Die Webschule Skærbæk wurde 1896 im Gebäude in der Skolegade 14 gegründet (heute Teil der Skærbæk Realskole). Der Kontakt mit Norwegen bestand weiterhin, da Jens Thiis’s Schwägerin (Katrine Dons) nach Skærbæk geschickt wurde, wo sie 4 Wochen lang die Tochter Brinckmanns, Maria Brinckmann, und Maria Luebke in der nordischen Webtechnik am vertikalen Webstuhl unterrichtete.

Es waren insbesondere „Damen” und Frauen der Bürgerschicht, die die Teppiche webten.

Die Frauen mussten an der Schule probeweben und wenn sie talentiert waren, konnten sie als Schüler angenommen werden und wurden von Marie Luebke in der nordischen Technik unterrichtet, schließlich geprüft und als Mitglied der Scherrebeker Kunstgenossenschaft aufgenommen!!

Anschließend konnte man die Skærbæk Teppiche bei sich zu Hause oder in den Räumen der Webschule weben. Man bekam eine Vorlage von der Webschule. Die Weberinnen saßen in Skærbæk, auf Rømø, in Husum, Berlin und so weit entfernt wie in Holland, Italien, Ost-Preußen und Russland.

Friedrich Deneken wollte das Bilderweben auch durch Anschluss junger experimentierender Künstler an die Webschule weiterentwickeln. Er stand in Kontakt mit dem Künstler Otto Eckmann, der – als die Webschule 1896 eröffnete – bereits Webvorlagen bereit hatte.

Unter anderem hatte er die Vorlage „Mågesværm“ (Möwenschwarm) gezeichnet. Der neue Stil, der JUGENDSTIL, ist an den Farbflächen, der begrenzten Perspektive und den stilisierten Vögeln erkennbar. Eckmann war, wie viele der Jugendstilkünstler, deutlich durch die japanische Holzschnitzkunst inspiriert. Es waren insbesondere die Jugendstilteppiche, die die Schule berühmt machten. Man webte aber auch weiterhin die norwegisch-inspirierten Muster. U.a. lieferte man 1915 die Stuhlsitze an Ballum Slusekro, die man in der Gaststube noch immer nutzt.

Eine Reihe weiterer Künstler waren mit der Webschule in Verbindung und es sind deren Werke, die Sie hier in der Ausstellung sehen können. Das wohl beeindruckendste Werk ist der Teppich „Not und Mani“, das von August Wilckens stammt, der als Fanømaler bekannt ist und u.a. die Møgeltønder Kirche restauriert hat.

Praktisch alle Teppiche haben die Schleswig-Holstein Fahne, die das Markenzeichen der Webschule Skærbæks war – und hier spielt wieder das nationalpolitische eine Rolle!!

Die Webschule wurde sehr schnell in ganz Europa bekannt und die Teppiche wurden auf Ausstellungen, in Museen und in führenden Kunstgeschäften in Paris, Berlin und München gezeigt. Bei der Bevölkerung waren die Teppiche jedoch nicht besonders populär – sie waren sowohl zu modern als auch zu teuer!

Bis zum Jahr 1900 waren über 200 Frauen der Webschule angeschlossen, aber die Ökonomie der Webschule musste auf Grund fehlenden Absatzes saniert werden. Dies verhinderte jedoch nicht, dass die Webschule 1903/4 mit in den persönlichen Konkurs Pastor Jacobsens gezogen wurde.

Bei dem Versuch, die Webschule zu retten, hatte man 1902 eine Lotterie mit den Teppichen als Gewinn ins Leben gerufen. Die Lotterie war beim Konkurs nicht abgeschlossen und daher wurde beschlossen, dass die nicht abgeholten Lotteriegewinne vom Museum in Flensburg aufbewahrt werden sollten. Nach 30 Jahren gingen die mehr als 60 Teppiche in das Eigentum des Museums über. Das ist der Hintergrund für die große und schöne Sammlung von Skærbæk Teppichen im Museumsberg Flensburg.

Es war jedoch nicht das totale Ende der Webschule. Die künstlerische Leiterin, Maria Luebke, erhielt die Erlaubnis, die Webschule als privates Unternehmen bis zur Wiedervereinigung weiterzuführen.

Nach der Wiedervereinigung geriet die Webschule Skærbæk in Vergessenheit. Ab Mitte der 1980-iger wurde der Gründer des Skærbæk Museums, H. E. Sørensen, auf die Teppiche aufmerksam und es glückte u.a. einige der Teppiche zu finden, die bei ortsansässigen Familien in Skærbæk hingen. Nun werden die Teppiche wieder in Skærbæk gezeigt und ich hoffe, dass viele die Gelegenheit nutzen, die Teppiche hier im Hjemsted Oldtidspark in der kommenden Zeit zu bewundern.”